Geschützte Greifvögel im Landkreis Roth vergiftet

Innerhalb von zwei Tagen wurden im Raum Wendelstein (Landkreis Roth) zwei tote Greifvögel, ein Rotmilan und ein Mäusebussard, gefunden. Beide kamen höchstwahrscheinlich durch Giftköder ums Leben. Die Kadaver wurden von der Polizei Schwabach sichergestellt. Nun ermittelt die Kripo Schwabach. 

© W. Hoerlbacher
Auf einem Acker liegt ein Toter Mäussebussard

Das Aussehen des Köders, der neben dem Bussard gefundenen wurde, legt nahe, dass Carbofuran, ein hochtoxisches Kontaktgift, eingesetzt wurde. Das als Insektizid eingesetzte Gift ist seit 2007 in der EU verboten. Genauso wie es die geschützten Greifvögel erwischt hat, stellen ausgelegte Giftköder möglicherweise auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr dar. Wie die Polizei Schwabach aktuell mitteilte, wurde vor wenigen Tagen bereits ein Hund in Kleinschwarzenlohe vergiftet. Diese Fälle dürften aufgrund der Nähe der Fundorte miteinander zusammenhängen.

© W. Hoerlbacher
Ein toter Mäussebussard mit vergiftetem Köder

Wegen des Verdachts auf Giftköder appellieren wir und die Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) an alle Eltern im Gebiet rund um Wendelstein, ihre Kinder gerade in der Zeit vor Ostern keine herumliegenden Eier, tote Vögel oder anderes Verdächtiges anfassen zu lassen. Alle Hundehalter sollten ihre Tiere an die Leine nehmen.

Das hochtoxische Gift Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und führt selbst in geringen Dosen zu Krämpfen.

„Der Schutz der Öffentlichkeit ist ein zentrales Anliegen wie auch die Aufklärung der Vergiftungsfälle“, sagt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz. „Wir werden nicht weiterzusehen, wie langjährige Schutzbemühungen um bedrohte, einheimische Tierarten durch illegale Tötung mit qualvollen Methoden - wie Vergiftung - zunichtegemacht werden und dafür sorgen, dass solche Straftaten in Bayern künftig strikter verfolgt werden!“

Experte Prof. Ammer warnt vor präparierten Giftködern

GLUS und LBV haben bei Prof. Ammer, dem Leiter des Lehrstuhls für Veterinärpharmakologie und Toxikologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) nachgefragt. Seine Einschätzung: „Ich möchte die Warnung vor Berührung solchermaßen präparierter Giftköder nur nachdrücklich unterstreichen: Carbofuran ist für den Menschen, insbesondere für Kinder, sowie für Haus- und Wildtiere ein hochwirksames Kontaktgift. Jede Berührung oder Aufnahme kann eine lebensgefährliche Vergiftung hervorrufen!“

In den letzten Tagen wurden mehrere derartige Fälle aus den Landkreisen Landshut und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gemeldet. Die Aufklärung illegaler Tiertötungen ist schwierig, deshalb hoffen LBV und die Umweltstiftung auf Hinweise aus der Bevölkerung.

„Spaziergänger, die im Raum Wendelstein oder andernorts einen toten Wildvogel, auffällig gefärbte rohe Eier oder Fleischreste auf einer Wiese oder im Feld finden, können diese dem LBV unter www.tatort-natur.de oder der Polizei melden“, erklärt von Lindeiner.

Gemeinsames Projekt: „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!“

© W. Hoerlbacher
Vergiftete Köder stellen auch eine Gefahr für Menschen und Haustiere dar

Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos, was sich dringend ändern muss. LBV und GLUS starten deshalb 2019 das gemeinsame Projekt „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!“.

In einer bayernweiten Datenbank sollen alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität gespeichert werden. Als erste Anlaufstelle für betroffene Behörden und die Öffentlichkeit soll die Datenbank fachliche Unterstützung bieten und als Melde- und Informationsplattform dienen. Mit ihrer Hilfe soll außerdem die langfristige Weiterverfolgung einzelner Fälle sichergestellt werden. Mit dem Projekt soll auch die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt und Fortbildungsangebote bereitgestellt werden. Projektleiter und Ansprechpartner sind die Biologen Franziska Baur (GLUS) und Dr. Andreas von Lindeiner (LBV).

 

Weitere Informationen:
Mehr Infos zum Thema „Naturschutzkriminalität“ und eine Checkliste zum richtigen Verhalten bei einem Totfund mit Verdacht auf illegale Tötung können auf der Seite www.tatort-natur.de heruntergeladen werden. Dort können auch Fälle oder Verdachtsfälle von Naturschutzkriminalität gemeldet werden.

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© Bettina Schröfl

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