Starkes Signal der Polizei gegen Naturschutzkriminalität

Naturschützer loben großangelegte Absuche nach weiteren Hinweisen wegen zahlreicher Vergiftungsfälle in Niederbayern

Nachdem in den vergangenen Wochen in einem Dreieck zwischen Straubing, Deggendorf und Dingolfing immer wieder tote Greifvögel und Giftköder entdeckt wurden, begrüßen LBV und Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) das außerordentliche Engagement der Polizei Niederbayern, die gestern in einer großangelegten Suchaktion gleich drei Standorten gezielt nach weiteren Hinweisen abgesucht hat.

© Polizei Niederbayern
Die Polizei Niederbayern hat gestern in einer großangelegten Suchaktion gleich drei Standorte gezielt nach weiteren Hinweisen zu den vergifteten Greifvögeln abgesucht

„In Zusammenhang mit illegal getöteten Wildtieren hat es eine derartige polizeiliche Suchaktion in der bayerischen Geschichte unseres Wissens noch nicht gegeben. Die Polizei hat damit ein echtes Ausrufezeichen gegen Naturschutzkriminalität gesetzt und sendet so ein starkes Signal an den oder die Täter, dass derartige Straftaten nicht mehr einfach hingenommen werden“, so Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Landesbeauftragter Naturschutz.

Der LBV und die GLUS loben für Hinweise, die zur rechtskräftigen Verurteilung des oder der Täter führen, weiterhin eine Belohnung von insgesamt 5.000 € aus.

Gezielte Suche mit Drohnen und zahlreichen Einsatzkräften

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Polizist durchsucht Büsche und Dickicht.

Nach einer beispiellosen sowohl örtlich als auch zeitlich eng beieinanderliegenden Häufung von Vergiftungsfällen gegen Greifvögel in Niederbayern hatten LBV und GLUS im Austausch mit der Polizei angeregt, die einzelnen Fälle gemeinsam zu betrachten und zu untersuchen.

„Indem nun mit Drohnen und zahlreichen Einsatzkräften gezielt die Feldflur nach weiteren Kadavern und nach für Kinder und Hunde gefährlichen Giftködern durchkämmt wurde, ist genau dies durch eine koordinierte Polizeisuchaktion geschehen“, lobt Dr. Andreas von Lindeiner.

„Ob es sich bei der im Bereich von Dingolfing aufgefundenen kugelförmigen Substanz gegebenenfalls um Gift handelt, bleibt natürlich abzuwarten. Das bereits in den anderen Fällen mindestens einmal nachgewiesene Kontaktgift Carbofuran tritt neben der liquiden Variante auch in Granulatform auf und sticht durch eine auffällig bläuliche bis rötliche Färbung hervor“,
so Franziska Baur.

LBV und GLUS hatte die zurückliegenden Funde mit Vergiftungsverdacht der Polizei gemeldet und aufgrund der Fundsituation und eindeutiger Indizien bereits eine Vergiftung angenommen, die heute durch spezifische Analysen von der Polizei offiziell bestätigt wurde.

Aufklärung illegaler Wildtiertötungen ist schwierig

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Auch Drohnen wurden bei der Absuchaktion zur Hilfe genommen.

Die Aufklärung illegaler Wildtiertötungen ist schwierig, deshalb hoffen der Naturschutzverband LBV und die Umweltstiftung auf Hinweise aus der Bevölkerung. Naturschützer und Behörden bitten in diesem Zusammenhang beim Auffinden verendeter Greifvögel sowie etwaiger Giftköder, unmittelbar die Polizei zu verständigen und nichts anzufassen oder zu transportieren. Diese können toxisch sein und Gesundheitsgefahren mit sich bringen.

Zudem bitten LBV, GLUS und Polizei Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, sich mit der Polizeiinspektion Straubing unter 09421/868-0 in Verbindung zu setzen. Hilfe und Informationen erhalten Interessierte auch unter der Aktionswebseite von LBV und GLUS www.tatort-natur.de

Am 15. und 16. April findet eine Online-Tagung zum Thema Naturschutzkriminalität statt. Mehr hier erfahren

Hintergrund

Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos, was sich aus Sicht der Naturschützer dringend ändern muss.

LBV und GLUS haben deshalb 2019 das gemeinsame Projekt „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!“ ins Leben gerufen. In einer bayernweiten Datenbank werden alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität gespeichert.

Als erste Anlaufstelle für betroffene Behörden und die Öffentlichkeit soll die Datenbank fachliche Unterstützung bieten und als Melde- und Informationsplattform dienen. Mit ihrer Hilfe soll außerdem die langfristige Weiterverfolgung einzelner Fälle sichergestellt werden.

Die Dokumentation von Fällen illegaler Verfolgung von Vögeln durch den LBV wird seit diesem Jahr durch das Bayerische Landesamt für Umwelt mit Mitteln des Umweltministeriums finanziert.

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