Schon wieder fünf tote Vögel in drei Tagen entdeckt

Erneut vier tote Mäusebussarde und ein Silberreiher in Gift-Dreieck in Niederbayern gefunden – 5.000 Euro Belohnung

Schon wieder haben ehrenamtliche Aktive des LBV nach Hinweisen aus der Bevölkerung illegal getötete Vögel im Landkreis Straubing-Bogen gefunden. Zwischen Sonntag und Dienstag wurden bei Leiblfing vier illegal getötete Mäusebussarde und ein Silberreiher entdeckt. Klare Hinweise lassen weitere Fälle von Vergiftung vermuten. Die Polizei hat deshalb umgehend weitere Ermittlungen eingeleitet.

© Bettina Schröfl
Erst wurde einer, dann drei getötete Mäusebussarde bei Schleinkof nahe Leiblfing gefunden

Serientäter unterwegs?

Nachdem seit Januar immer wieder in einem Dreieck zwischen Straubing, Deggendorf und Dingolfing tote Greifvögel und Giftköder entdeckt wurden, sind LBV und Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) tief besorgt, dass in Niederbayern möglicherweise ein intensiver Serientäter aktiv ist.

„Wir befürchten, dass die erstmals großangelegte Suchaktion der Polizei nach weiteren Hinweisen vor knapp zwei Wochen den Täter noch nicht genug abgeschreckt hat und er sich immer noch sicher fühlt“, so Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Landesfachbeauftragter Naturschutz.

Wir weisen deshalb erneut auf die von uns bereits ausgelobte Belohnung von insgesamt 5.000 € hin, die zur rechtskräftigen Verurteilung des oder der Täter führen.

Köderplatz mit Fleischstücken und Knochen gefunden

© Bettina Schröfl
Auch ein Silberreiher wurde in diesem Zusammenhang tot geborgen

Am vergangenen Sonntag wurde die stellvertretende Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe Straubing, Bettina Schröfl, von einer Spaziergängerin über einen toten Mäusebussard bei Schleinkof nahe Leiblfing informiert. Die LBV-Aktive kontaktierte von dort aus die Polizei, die den Vogel wegen eindeutiger Hinweise auf Vergiftung zur forensischen Untersuchung sicherstellte.

In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls ein toter Silberreiher geborgen. Am Dienstag fielen derselben aufmerksamen Spaziergängerin an derselben Stelle drei weitere tote Mäusebussarde auf. „Als wir erneut zur gleichen Fundstelle gerufen wurden, entdeckten wir dort neben den drei toten Vögeln an einem Baumstumpf auch noch einen neuen Köderplatz mit Fleischstücken und Knochen, der zwei Tage zuvor noch nicht dort war“, berichtet Bettina Schröfl. Die umgehende Spurensicherung am Tatort übernahm daraufhin der Leiter der Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Straubing.

Mäusebussard wurde offenbar noch lebend Böschung runtergeworfen

Besonders schockiert waren die beiden LBV-Aktiven über die Auffindesituation der drei Kadaver: „Die Vögel wurden offenbar eine Böschung hinunter geworfenen. Mindestens einer der Mäusebussarde muss zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben, denn in seinen verkrampften Krallen konnte ich abgerissene Efeublätter entdecken, der in der Umgebung der Fundstelle nur am Fuß der Böschung wächst und die der Vogel im Todeskampf abgerissen haben muss“, so Bettina Schröfl.

Bei Verdacht auf Vergiftung: unmittelbar Polizei informieren

Zusammen mit der GLUS erneuern wir in diesem Zusammenhang beim Auffinden verendeter Greifvögel sowie etwaiger Giftköder die dringende Bitte, unmittelbar die Polizei zu verständigen und nichts anzufassen oder zu transportieren.

Die Kadaver und Köder können toxisch sein und ernste Gesundheitsgefahren mit sich bringen. Zudem bitten LBV, GLUS und Polizei Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, sich mit der Polizeiinspektion Straubing unter 09421/868-0 in Verbindung zu setzen. Hilfe und Informationen erhalten Interessierte auch unter unserer gemeinsamen Aktionswebsite.

Hintergrund

Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos, was sich aus Sicht der Naturschützer dringend ändern muss.

LBV und GLUS haben deshalb 2019 das gemeinsame Projekt „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!“ ins Leben gerufen. In einer bayernweiten Datenbank werden alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität gespeichert.

Als erste Anlaufstelle für betroffene Behörden und die Öffentlichkeit soll die Datenbank fachliche Unterstützung bieten und als Melde- und Informationsplattform dienen. Mit ihrer Hilfe soll außerdem die langfristige Weiterverfolgung einzelner Fälle sichergestellt werden.

Die Dokumentation von Fällen illegaler Verfolgung von Vögeln durch den LBV wird seit diesem Jahr durch das Bayerische Landesamt für Umwelt mit Mitteln des Umweltministeriums finanziert.

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